Ministerpräsident Cem Özdemir informiert sich über CO₂-Forschungsprojekt „catch4climate“

Mitarbeiter in Bauhelmen und Sicherheitswesten auf einer Baustelle.
© Patrick Vöhringer

Besuch des baden-württembergischen Ministerpräsidenten unterstreicht die Bedeutung von CO₂-Abscheidungstechnologien für die industrielle Transformation.

Mergelstetten, 31. Juli 2026 – Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir hat heute die Forschungs- und Entwicklungsanlage der CI4C GmbH & Co. KG in Heidenheim-Mergelstetten besucht. Im Mittelpunkt des Besuchs stand der Austausch über die Rolle innovativer CO2-Abscheidungstechnologien für die Transformation energieintensiver Industrien und die Unterstützung der Klimaschutzziele des Pariser Klimaabkommens.

Nur wenige Wochen nach der feierlichen Einweihung der weltweit ersten Forschungs- und Entwicklungsanlage zur CO2-Abscheidung unter Anwendung des Pure-Oxyfuel-Verfahrens konnte sich der Ministerpräsident vor Ort ein Bild vom aktuellen Projektfortschritt machen. Die Anlage wird von der Forschungsgesellschaft CI4C GmbH & Co. KG betrieben, hinter der die vier europäischen Zementhersteller Buzzi/Dyckerhoff, Heidelberg Materials, SCHWENK Zement und Vicat stehen.

Während eines Rundgangs durch die Anlage informierte sich Özdemir über die technologischen Grundlagen des Projekts, die bisherigen Betriebserfahrungen sowie die Bedeutung von Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCUS) für die Dekarbonisierung der Zementindustrie. Dabei betonte er den Stellenwert solcher Vorhaben: „catch4climate ist ein beeindruckendes Projekt, das zeigt, welche technischen Innovationen in Baden-Württemberg entstehen. Unsere Unternehmen stellen unter Beweis, dass sie die Klimaziele ernst nehmen, die Dekarbonisierung tatkräftig angehen und Lösungen suchen.“

Die Herstellung von Zement verursacht prozessbedingt CO2-Emissionen, die sich auch durch den Einsatz alternativer Energieträger nicht vollständig vermeiden lassen. Technologien zur CO2-Abscheidung sind daher unumgänglich.  

Vier Partner, ein Ziel: CO2-Reduktion in der Zementindustrie

Die vier Gesellschafterunternehmen haben sich bereits 2019 in der Forschungsgesellschaft CI4C GmbH & Co. KG zusammengeschlossen, um das Leuchtturmprojekt „catch4climate“ gemeinsam zu realisieren. Mit Investitionen von über 120 Millionen Euro entstand auf dem Gelände des Zementwerks in Mergelstetten eine eigene Drehofenlinie mit einer Klinker-Produktionskapazität von 450 Tagestonnen, die erstmals das von thyssenkrupp Polysius entwickelte Pure-Oxyfuel-Verfahren zur CO2-Abscheidung nutzt und ausschließlich der Forschung und Entwicklung dient. Öffentliche Fördermittel wurden nicht in Anspruch genommen.  

„Mit catch4climate schaffen wir die Grundlage für wichtige technologische Erkenntnisse zur CO2-Abscheidung in der Zementindustrie. Der Besuch von Ministerpräsident Özdemir zeigt, wie relevant das Thema für die Zukunft unserer Industrie im Zusammenhang mit dem Klimaschutz ist“, sagt Jürgen Thormann, technischer Geschäftsführer der CI4C GmbH & Co. KG.

Pure-Oxyfuel-Verfahren als Schlüsseltechnologie

Bei Verbrennungsprozessen wird üblicherweise Luft als Sauerstoffträger im Drehrohrofen verwendet. Das Pure-Oxyfuel-Verfahren ersetzt die Luft durch reinen Sauerstoff. Dadurch entsteht ein hochkonzentrierter CO2-Strom, der eine effiziente Abscheidung des Kohlendioxids ermöglicht.  

Bereits in den ersten Betriebsmonaten konnten wichtige Fortschritte erzielt werden: Ende Mai 2026 wurde auf der Anlage erstmals Klinker produziert, Anfang Juni folgte die erste Zuführung von Sauerstoff. Nach dem Betrieb des Ofens im Oxyfuel-Modus bei 100 % Sauerstoffzugabe am 22. Juli 2026 gelang dem Projektteam bereits am darauffolgenden Tag die erste Abscheidung von hochreinem CO2 in Form von Trockeneis in der nachgeschalteten Carbon Purification Unit (CPU). Damit konnte die Funktionsweise der CO2-Abscheidung unter Oxyfuel-Bedingungen nachgewiesen werden. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Technologie und den künftigen industriellen Einsatz. In den kommenden Jahren sollen weitere Testkampagnen folgen, um das Verfahren unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden dazu beitragen, CO2-Abscheidungstechnologien für den industriellen Einsatz voranzubringen und die Grundlage für zukünftige großtechnische Anwendungen zu schaffen. Langfristig soll das Pure-Oxyfuel-Verfahren ermöglichen, CO2 effizient abzuscheiden und anschließend entweder dauerhaft zu speichern oder als Rohstoff für andere industrielle Prozesse weiterzuverwerten. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Reduzierung der unvermeidbaren prozessbedingten CO2-Emissionen der Zementindustrie. 

Pressekontakte: https://catch4climate.com/presse/  

Fotos: Patrick Vöhringer