Bei Ingenieurbauwerken sind Tragwerksplanung und technische Funktion Schlüsselfaktoren. Beispiele für Bauwerke sind Brücken, Tunnel, Schleusen, Staudämme sowie massige Bauteile allgemein. Sie sind allesamt einer hohen Belastung und Umweltbeanspruchung ausgesetzt. Für den Bau ist Beton daher der Baustoff der Wahl. 

Brücken

Brücken sind Schlüsselbauwerke, weil sie Verkehrswege verbinden und Wegstrecken verkürzen. Ohne Brücken wäre Mobilität in der heutigen Form undenkbar.
Beim Brückenbau wird aktuell eine Lebensdauer von 100 Jahren angesetzt. Viel befahrene Brücken müssen heute Belastungen von bis zu 150.000 Fahrzeugen pro Tag, davon ein Viertel Lkw, standhalten. Entsprechend streng sind die Anforderungen an die Baustoffe.

Heidelberg Materials hat für den modernen Brückenbau die passenden Lösungen. Neben dem Produktsortiment, bestehend aus Beton und Zement, schließen diese Beratung, die Bereitstellung von Betonpumpen sowie die Qualitätssicherung durch Prüflabore ein. 

© Christian Buck

Bauverfahren im Brückenbau

Die häufigste Bauweise ist die Spannbetonbauweise. Dabei wird Beton in Kombination mit Stahl eingesetzt, wodurch sich eine hohe Druck- und Zugfestigkeit erreichen lässt. Zudem erlaubt diese Art zu bauen schlanke und materialsparende Konstruktionen.

Ebenso wichtig wie das Material ist die Methodik. Welche Bauweise zum Zug kommt, richtet sich nach den äußeren Bedingungen, etwa der Geländebeschaffenheit, der Brückenlänge und der Spannweite.

  • Kleine Brücken mit geringer Spannweite und niedrigen Höhen werden häufig mit Traggerüsten ausgeführt.
  • Mittlere Mehrfeldbrücken ab circa acht Feldern und einer Spannweite bis etwa 60 m werden häufig im Taktschiebeverfahren gebaut.
  • Brücken mit großen Spannweiten, die über weite Täler, Flüsse oder Meeresarme führen, werden häufig im Freivorbau erstellt.

Expositionsklassen im Brückenbau

Beton altert aufgrund von Belastungen, vor allem aber durch die schleichende Korrosion der Bewehrung sowie durch physikalische und chemische Zersetzungsprozesse. Je nach Bauteil ist der Beton unterschiedlichen Umweltbelastungen ausgesetzt, die in Expositionsklassen eingeteilt werden. Diese Klassen definieren die Anforderungen an den Beton und die Betondeckung, woraus sich die jeweiligen Betonzusammensetzungen ableiten.

Baustoffe für Brückenträger

Brückenträger bilden das Rückgrat vieler Brücken, insbesondere bei Balkenbrücken. Dabei übertragen sie die Lasten der Fahrbahn auf Pfeiler und Widerlager. Entsprechend hohe Anforderungen werden an die Materialien gestellt. Erforderlich sind hochfeste Betone oder sogar ultrahochfeste Betone.

Hochfeste Betone sind Leichtbetone mit einer Druckfestigkeitsklasse höher als C50/60 oder LC50/55. Dabei steigt die Druckfestigkeit des Betons mit der Festigkeit des Zementsteins und der Gesteinskörnung. Durch optimierte Zusammensetzungen lassen sich Zementsteinfestigkeiten erreichen, die sogar die Festigkeit von Basalt, Quarzit und Granit übertreffen. 

Bei ultrahochfesten Betonen (UHFB) handelt es sich um Betone > C100/115. Damit lassen sich Druckfestigkeiten bis zu 800 N/mm² erreichen, im Bereich von Transportbeton bis 200 N/mm². Durch die Zugabe von Fasern ist auch die Herstellung von UHFB mit duktilem Verhalten möglich.

Baustoffe für Kappen

Als Brückenkappen werden die seitlichen Aufbauten am Rand einer Brücke bezeichnet. Unter anderem schützen sie den Rand des Brückenüberbaus vor Frost-Tausalz-Angriffen und fungieren als Rad- und Gehweg. 

Vorteilhaft für deren Bau sind vergleichsweise leichte Betone, die gut zu verarbeiten sind und obendrein die nichttragenden Bauteile schützen. Mit Aircrete®, einem speziellen Luftporenbeton, bietet Heidelberg Materials den idealen Baustoff an.

Beton für Widerlager

Die Widerlager bilden den Übergang zwischen der Brückenkonstruktion und dem Erddamm. Als tragendes Endbauwerk einer Brücke leiten sie vertikale und horizontale Lasten in den Baugrund ab. 

Der Beton von Heidelberg Materials in Kombination mit der nötigen Bewehrung (Stahlbauweise) bringt die geforderten Eigenschaften mit: 

  • Hohe Druckfestigkeit
  • Dauerhaftigkeit gegenüber Erd- und Umwelteinflüssen
  • Aufnahme von Zugkräften und sichere Ableitung der Lasten in den Baugrund

Beton für Gründung

Die Gründung sorgt für eine lange Lebensdauer, in dem sie die bei einer Brücke wirkenden statischen und dynamischen Kräfte sicher ableitet. 

Im Rahmen von Baugrund- und Gründungsgutachten wird ermittelt, welche Gründung passend ist. Man unterscheidet

  • Flachgründungen: Die Brücke steht auf einem Fundament mit geringer Tiefe.
  • Pfahlgründungen: Belastungen werden über Betonpfähle ins Erdreich geleitet.
  • Senkkastengründung: Nach der Versenkung wird der Kasten mit Beton aufgefüllt.

Beton als Baustoff ist ideal, weil er lastverteilend, tragfähig, dauerhaft und verformungsstabil ist. Welcher Betontyp eingesetzt wird – Stahlbeton, Unterwasserbeton, Bohrpfahlbeton oder sulfatbeständiger Beton – hängt vom Baugrund und der Belastung ab. 

Beton für Überbau, Stützen und Pfeiler

Stützen und Pfeiler dienen als Lastträger und gleichen Verformungen aus. Dafür ist der Einsatz besonders hochfester Betone üblich – besonders wenn höhere Belastungen zu erwarten sind oder die Bauteile insgesamt schlanker sind. 

Massige Bauteile aus Beton

Bei massigen Bauteilen beträgt die kleinste Abmessung definitionsgemäß ≥ 0,80 m. Prinzipiell werden solche Bauteile unter anderem als Fundamente und Gründungen für Hochhäuser, Brücken, Windkraftanlagen, Staudämme, Kraftwerke sowie auch als Ballast- und Gegengewichte, etwa bei Schiffen, Offshore-Anlagen, Kränen und Aufzügen, benötigt.

Tückisches Temperaturgefälle

Infolge der Mächtigkeit der Bauteile entsteht im Verlauf der Hydratation ein Temperaturgefälle zwischen Bauteilkern und -oberfläche, das sich mit fortschreitender Zeit ausgleicht. Dennoch besteht die Gefahr von Rissbildung, wodurch die Dauerhaftigkeit beeinträchtigt werden kann. 

Das Temperaturgefälle, auch Temperaturgradient genannt, ist abhängig:

  • Von der Hydratationswärme des Zements
  • Vom Zementgehalt
  • Vom Wasserzementwert
  • Von der Frischbetontemperatur
  • Von den Umgebungsbedingungen
  • Von der Bauteildicke
  • Von der Bauteilausbildung und -lage

Regelwerk

Die grundlegenden Anforderungen an die Herstellung von Beton für massige Bauteile regelt DIN EN 206-1/DIN 1045-2. Zusätzlich darf die DAfStb-Richtlinie "Massige Bauteile aus Beton" angewendet werden. 

Zusammensetzung

Um das Temperaturgefälle kleinzuhalten, sind bei der Zusammensetzung von Beton für massige Bauteile folgende betontechnische Maßnahmen zu beachten:

  • Zemente: LH-Zemente nach DIN EN 197-1 und DIN EN 197-4, VLH-Zemente nach DIN EN 14216 empfehlenswert
  • Zusatzstoffe: Verwendung von Flugasche zur Verringerung der Wärmeentwicklung des Betons möglich
  • Zusatzmittel: evtl. Verzögerung der Wärmeentwicklung durch Zugabe eines Verzögerers
  • Gesteinskörnungen: Verwendung von Gesteinskörnungen mit niedriger Temperaturdehnzahl (z. B. Basalt, Kalkstein) vorteilhaft

Tunnelbau

Tunnel sind Schlüsselbauwerke zentraler Verkehrsachsen. Sie verkürzen Distanzen und verbessern die Mobilität im Straßen- und Schienenverkehr erheblich. Zudem kann durch das Verlegen des Verkehrs unter die Erde der Verkehr in Ballungszentren entlastet und Platz geschaffen werden für Wohnungen und Parks. Tunnel dienen aber auch dem Lärm- und Umweltschutz. 

Aufgrund seiner Eigenschaften ist Beton als Baumaterial für Tunnel besonders geeignet, da sich das Material durch angepasste Zusammensetzungen und Rezepturen gezielt modifizieren lässt.

Beim Tunnelbau besonders wichtig sind

  • Seine abdichtende Eigenschaft, gerade auch gegen drückendes Wasser
  • Die Übertragung und Ableitung von Druckkräften
  • Sein hoher Feuerwiderstand infolge der Nichtbrennbarkeit  
  • Seine Dauerhaftigkeit

Da für alle Verkehrstunnel hohe Brandschutzanforderungen gelten, müssen sie mit Fluchtwegen, Notausstiegen, Brandmelde- und Sprinkleranlagen ausgestattet sein. Heidelberg Materials Beton bietet dafür einen speziellen Faserbeton. Durch die Zugabe von Polypropylen (PP)-Fasern wird das Risiko von Abplatzungen vermindert und die Feuerwiderstandsfähigkeit des Betons erhöht.

Die Bauweise

Die Tunnelgeometrie, Schalenstärke und Bauweise richtet sich nach der geologischen Beschaffenheit und Festigkeit des Gebirges oder anstehenden Bodens, nach der Lage der Gesteinsschichten und der bestehenden Druckkräfte. In der Regel werden Straßen- und Bahntunnel zweischalig ausgeführt. Die erste Schale ist die Außenschale; sie besteht häufig aus Spritzbeton und sichert den Vortrieb. Die zweite Schale ist die Innenschale; sie ist aus Konstruktionsbeton und sorgt für den sicheren Betrieb im Tunnel nach der Verkehrsfreigabe. 

Offene und geschlossene/bergmännische Bauweise

Bei der offenen Bauweise erfolgt der Aushub des Tunnels von oben. Dabei wird der Aushubquerschnitt seitlich mit Bohrpfählen oder anderen Verbauwänden gesichert. Nach dem Aushub wird ein Deckel aufbetoniert. 

Beim bergmännischen Vortrieb erfolgt der Ausbruch durch Sprengen und Baggereinsatz. Das Sichern der Abschlagstiefe lässt sich mithilfe von Spritzbeton, Bewehrungsmatten, Stahlbögen und Felsankern erreichen. Alternativ kann der Tunnelquerschnitt mit einem rotierenden Bohrkopf ausgeräumt werden. Der entstehende Freiraum wird in weiteren Arbeitsschritten durch den Einbau von Stahlbetontübbingen gesichert. Der Hohlraum zwischen Tübbingen und Fels wiederum wird mit Mörtel verpresst.

Spritzbetone für die Außenschale

Spritzbeton ist ein Hochleistungsbeton, der in Transportbetonwerken hergestellt wird. Seine Rezeptur basiert auf reaktiven Spritzbetonzementen der Festigkeitsklassen 42,5 oder 52,5. Mithilfe hochwertiger Fließmittel lässt sich der Spritzbeton auf gute Verarbeitbarkeit und Pumpbarkeit einstellen. Durch Zugabe von Fließmitteln und speziellen verzögernden Zusätzen ist Spritzbeton sogar über mehrere Stunden verarbeitbar.  

Zum flächigen Auftragen auf die Wand dient eine Spritzmaschine. An der Spritzdüse werden alkalifreie Erstarrungsbeschleuniger zudosiert, wobei das Verhältnis von Spritzbeton und Erstarrungsbeschleuniger gut abgestimmt sein muss. Nur so lassen sich ein geringer Rückprall, eine gute Frühfestigkeit und hohe Endfestigkeit des Betons erreichen. 

Um den komplizierten und zeitintensiven Einbau der Bewehrung zu umgehen, bietet die Heidelberg Materials Beton den Stahlfaserbeton Steelcrete® an.  

Baustoffe für die Innenschale

Der Innenschalenbeton für die finale Tunnelsicherung, der den Regelbetrieb erst ermöglicht, wird in Transportbetonwerken gemischt, angeliefert und mithilfe von Pumpen in die vorbereitete Schalung eingebracht. Wie beim Spritzbeton ist eine gute Verarbeit- und Pumpbarkeit des Betons wichtig. Wasserabsonderungen und eine Entmischung sind unbedingt zu vermeiden.

Um die Oberflächenqualität sicherzustellen – diese entspricht Sichtbetonqualität – und um Rissbildung zu vermeiden, hat Heidelberg Materials Zemente mit niedriger oder begrenzter Hydrationswärmeentwicklung im Portfolio. Auch spezielle SR-Zemente, die bei sulfathaltigem Baugrund erforderlich sind. Kurzum: Heidelberg Materials liefert die Materialien, sorgt mit seinen akkreditierten Prüfstellen für die erforderliche Qualität und stellt auch die Betonpumpen zur Verfügung. 

Tübbingbetone für Maschinenvortriebe

Tübbinge sind vorgefertigte Betonsegmente zur Auskleidung und Sicherung der Tunnelaußenschale beim Vortrieb mit Tunnelbohrmaschinen. Auf der Maschine werden die Tübbinge zu einem geschlossenen Ring montiert. Hierzu werden die Segmente mit Dichtungen und Bolzen verbunden und der Spalt zwischen Tübbingring und Felswand mit Mörtel gefüllt. Nach dem Aushärten entsteht auf diese Weise ein fester Verbund zwischen Tübbingen und Fels. Die Tübbinge werden mit hoher Präzision in Fertigteilwerken oder Feldfabriken hergestellt. Hierfür werden Zemente verwendet, die sehr schnell hohe Anfangsfestigkeiten erreichen.

Fahrbahndecken im Tunnel

Fahrbahnbelage in Straßentunnel werden in der Regel aus Beton gefertigt. Betondecken sind hell, griffig und im Brandfall sicherer als etwa Asphalt, da sich kein zusätzlicher Rauch bildet. Eingebaut wird der Belag mithilfe eines Gleitschalungsfertigers. Zur Betonherstellung dienen Fahrbahndeckenzemente gemäß TL Beton-StB. 

Schleusen

Schleusen gleichen Höhenunterschiede von Wasserstraßen aus und verbinden Gewässerabschnitte, die auf unterschiedlichen Geländeniveaus liegen. Beispiele für schiffbare Wasserwege sind Flüsse, Kanäle, Seen oder Meerengen. Da die Schleusenbauteile ständig mit Wasser in Berührung kommen, müssen die Baustoffe wasserbeständig, dicht, frost- und korrosionsresistent sowie mechanisch sehr belastbar sein. Ansonsten funktioniert das Bauwerk langfristig nicht sicher.

Für den Schleusenbau hat Heidelberg Materials spezielle klinkerarme Zemente und weitere Spezialtiefbauprodukte im Portfolio, die nicht nur die hohen Anforderungen an Haltbarkeit und Temperaturbeständigkeit erfüllen, sondern auch den CO2-Fußabdruck reduzieren.